Kirche in Pissen

[(c): Christian Butzkies]

Pissen, das zur Ortschaft Rodden gehört, beherbergt im Ortszentrum eine kleine Kirche.

Der achteckige Turm des spätgotischen Baus ist,  über die umliegenden Felder, von weitem sichtbar. Sie gilt als eine der ältesten christlichen Kirchen der Region. 

Geschichte

981

Pissen wurde vom Bistum Merseburg abgetrennt. Daraus lässt sich ableiten, dass es bereits zu diesem Zeitpunkt eine christliche Gemeinde im Ort gegeben haben muss.

Ebenso soll es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Kirche gegeben haben. Diese stand wohl auf dem gleichen Platz wie die jetzige Kirche und war im romanischen Stil angelegt. Ein genaues Datum lässt sich jedoch nicht ermitteln, da keine Bestandteile der alten Kirche erhalten sind.

1580

Eine große Glocke wurde eingesetzt. Darauf weisen Teile dieser Glocke hin, die noch heute erhalten sind.

1585

Die Inschrift der mittleren Glocke zeigt, dass sie in diesem Jahr bei Erfurt, gegossen wurde.

1663

Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte. Dabei handelte es sich um Rechnungen.

1676 bis 1677

Taufbecken und Kanzel wurden angeschafft. Zudem wurde der Altar mit einem Rahmen versehen, an dem Schmuck befestigt war.

In den Folgejahren gab es, aufgrund der Baufälligkeit des Gebäudes, mehrere Reparaturen. Die Maßnahmen konnten den Bau jedoch nicht retten.

1750

Es wurde beschlossen den Turm neu zu bauen und die Kirche grundlegend zu sanieren.

1753

Der Baubeginn erfolgte. Die Arbeiten schlossen auch die Anschaffung eines neuen Taufsteins und eines Pults mit ein.

2. Mai 1755

Dem Turm wurde die Haube aufgesetzt. Der Umbau war damit abgeschlossen und die Kirche wurde eingeweiht.

1768

Die Orgel wurde angeschafft.

1888 bis 1893

Die große Glocke bekam erste Risse. Diese vergrößerten sich in der Folgezeit, so dass sie ab 1892 nicht mehr geläutet wurde. Sie wurde anschließend durch eine neue Glocke ersetzt, die 1893 geweiht wurde. Bestandteile der alten Glocke, wie der Klöppel, wurden weiter verwendet.

1915 bis 1918

Während des ersten Weltkriegs musste die große Glocke zur Munitionsherstellung abgegeben werden.

1936

Eine neue Glocke wurde, an Stelle der Eingeschmolzenen, eingeweiht. Auch diese musste jedoch im folgenden Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben werden.

1956

Die alte Orgel wurde generalüberholt. Sie wurde aber nur bis in die frühen 60er Jahre bespielt. Im Laufe der folgenden Jahre ist sie dann kaputt gegangen.

Ab 1989

Die Orgelempore wurde versetzt und der westliche Bereich des Kirchenschiffs zu einer Winterkirche umgebaut. Sie erhielt damit einen abgetrennten, beheizbaren Bereich.

Im Zuge einer grundlegenden Renovierung wurden die Dächer von Turm und Kirchenschiff neu gedeckt. Neue Dachrinnen und Blitzableiter wurden installiert und die gesamte Kirche neu verputzt. Zudem wurde die Friedhofsmauer erneuert und die Gedenktafel für die Opfer des ersten Weltkriegs überholt.

1994

Der Einbau neuer Fenster erfolgte.

1997

Die neuen Türen wurden eingesetzt.

1998

Ihren Abschluss fanden die Sanierungsarbeiten mit der Neuanfertigung der Gedenktafeln für die Opfer des zweiten Weltkriegs.

2002

Der Altar wurde restauriert.

Architektur

Die Kirche ist von Osten nach Westen ausgerichtet. Der Altarraum befindet sich im östlichen Ende des Baus. Den westlichen Abschluss bildet der Turm.

Dieser schon von weitem sichtbare Turm steht auf einem quadratischen Sockel. Auf Höhe des Dachfirsts, vom Dach des Kirchenschiffs, verändert sich diese Grundform. Der obere Teil des Turms weist eine achteckige Grundform auf.

Das Dach des Turms ist mit schwarzem Schiefer gedeckt. Die spitz zulaufende Haube wird von einer kleinen Ausbuchtung unterbrochen, die Andeutungen einer Glockenform aufweist. Für das Kirchenschiff wurden rote Dachziegel verwendet.

An der Südseite des Kirchenschiffs war eine Sakristei angebaut. Die Nordseite wurde von einer Betstube unterbrochen. Unter dieser Betstube, die der Familie von Zweymen gehörte, befand sich die Gruft dieser Familie.

Sowohl Sakristei, als auch Betstube sind heute nicht mehr vorhanden. Allerdings befindet sich auf der Nordseite noch ein massives Mauerwerk im Boden. Daher sind an dieser Stelle noch heute ungenutzte Grabplätze.

Der helle Innenraum wird von einer Hufeisenempore durchzogen. Auf der Ostseite mündet er in den Altarraum. Hier befinden sich der Kanzelaltar und der Taufstein. An der Nordwand im Innenraum befinden sich die Gedenktafeln des ersten und zweiten Weltkriegs.

An der Westseite befindet sich der Aufgang zur Empore und zum Turm. In diesem Bereich befindet sich auch die Orgel. Der Bereich wird von verglasten Türen abgetrennt, so dass der Kirchenraum im Winter beheizt werden kann.

Heutige Nutzung

Das Gebäude der Kirche in Pissen gehört zum Bereich Kötzschau-Pissen. Bei regelmäßigen Gottesdiensten und abgesprochenen Führungen ist ein Zugang möglich.